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Einrichtung

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Karin

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Projekt

KonTEXT Leseprojekt für straffällige und gefährdete Jugendliche


Außerschulische „Leseweisungen“ straffälliger Jugendlicher vom Jugendrichter statt Sozialstunden verordnet von studentischen Mentoren begleitet :

Projektbeschreibung KonTEXT Leseprojekt und speziell das Projektangebot „Leseweisungen“

Gefährdete Jugendliche: Schulverweigerung. Straftaten. Jugendarrestanstalt. Alles Begriffe, die für die meisten von uns eher abstrakt und weit entfernt sind. Für die jungen Menschen in deutschen Jugendarrestanstalten ist das nicht so. Diejenigen, die sich dort unfreiwillig aufhalten, wissen, dass diese Worte eine sich ankündigende Laufbahn beschreiben. Leider abwärts gerichtet.

Diese Laufbahn zu unterbrechen, zu transformieren und den Weg der betroffenen Jugendlichen positiv zu beeinflussen, ist das Ziel des Leseprojekts KonTEXT. KonTEXT will einen innovativen, bildungsorientierten und wertebasierten Beitrag zur Prävention von Jugendkriminalität leisten.

Denn KonTEXT erreicht durch die individuelle Förderung straffälliger und gefährdeter Jugendlicher eine kriminalpräventive Wirkung und stärkt zugleich die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung durch die Studierenden, die sich ehrenamtlich als Mentoren engagieren. Eine interne Rückfallstatistik des Landratsamts Fürstenfeldbruck bescheinigt dem Projekt KonTEXT eine vergleichsweise niedrige Rückfallquote (15 % gegenüber rund 65 % beim Jugendarrest). Der Leiter des Jugendgerichts München Ludwig Ketzschmar resümiert: „Soweit wir als Richter später noch Kontakt zu den Jugendlichen haben, äußern sich diese positiv über das Lesen. Dies ist oft eine neue Erfahrung für unsere Jugendlichen und nicht selten ein Anstoß zu weiterer Lektüre und Reflektion.“

Durch die Betonung der Prinzipien des wechselseitigen Zuhörens und des gemeinsamen Austauschs von Erfahrungen und Argumenten überwindet KonTEXT Gräben und trägt bei allen Beteiligten zum Abbau von Vorurteilen bei.

Lektürearbeit als Denkanstoß für gefährdete Jugendliche:

Ursprünglich war das Projekt 2010 aus einer Initiative von Studierenden der Sozialen Arbeit an der Hochschule München hervorgegangen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Caroline Steindorff-Classen werden mittlerweile über 100 Lesegruppen in den Jugendarrestanstalten München und Landshut angeboten. Mehrmals pro Woche lesen Studierende der Hochschule München und der Ludwig-Maximilians-Universität München mit Jugendlichen ausgewählte Romane und diskutieren mit ihnen über das Gelesene, ordnen es ein, schaffen Bezüge zum Leben der Betroffenen. Dabei lernen Studierende wie Jugendliche voneinander. Zusätzliche Angebote betreffen Schulverweigerer, die wegen wiederholten „Schulschwänzens“ Jugendarrest verbüßen müssen. Außerdem werden Bildungsmaßnahmen gegen Intoleranz und Textwerkstätten angeboten, in denen die jungen Leute lernen, eigene Texte zu entwickeln. Die KonTEXT Arrest-Bücherei, in der sich die Jugendlichen Bücher zu für sie besonders relevanten Themen ausleihen können, wird ebenfalls von Studierenden betreut.

Die Resonanz auf KonTEXT ist überraschend. Die Teilnehmerzahlen, mit bisher schon über 4.000 Jugendlichen, steigen kontinuierlich. Die Zahl der Leseweisungen hat sich von 2012 bis heute nahezu verdreifacht. Seit dem Projektstart haben mehr als 1.500 junge Menschen allein an diesem Projektangebot teilgenommen. Die Auswertung der anonymen, schriftlichen Rückmeldungen am Ende der Lesegruppen und Leseweisungen weist hohe Zufriedenheitswerte der Jugendlichen für die Arbeit mit den Studierenden aus: 98% vergaben hierfür die Noten “sehr gut” und “gut”.

KonTEXT erhält keinerlei öffentliche Förderung und ist für die Durchführung seiner Programmangebote auf Spenden angewiesen.

Uns geht es nun konkret um die Förderung des Angebots „Leseweisungen“ außerhalb der Haft:

Außerhalb der Haft werden Jugendliche begleitet, die von einem Jugendrichter oder Staatsanwalt auf der Grundlage einer „Leseweisung“ zur Teilnahme am Leseprojekt verpflichtet werden. Statt der üblichen Sozialstunden weisen die Jugendgerichte München und Fürstenfeldbruck sowie Staatsanwaltschaften München I und II Heranwachsende im Alter von 14 bis 21 Jahre, davon rund ein Drittel weiblich, dem KonTEXT Leseprojekt zu. In einem Erstgespräch mit einer Professorin (Sozialpädagogin, 90 Minuten) lernen sich die Beteiligten kennen, denn die studentischen Mentoren hospitieren während des Erstgesprächs. Die Themen, die diesen jungen Menschen beschäftigen, werden besprochen, eine geeignete Lektüre wird gemeinsam ausgewählt und ein studentischer Mentor wird zugeordnet. Es folgt die eigenständige häusliche Lektüre von Jugendlichen und Studierenden, bei Bedarf finden zusätzliche gemeinsame Lektüretermine an der Hochschule München und der LMU statt. Danach erfolgt die inhaltliche Aufarbeitung und Reflexion des Gelesenen, die immer eng von Studierenden begleitet wird. Die kreative Abschlussarbeit (bis zu 4 Stunden) ist ein Muss und erfolgt ebenfalls an den Hochschulen in Gruppen, die von Studierenden und der Projektleitung begleitet werden. Die kreative Arbeit kann ein Bild, Poster, ein Graffiti, eine Collage, eine Textarbeit wie ein Rap / Songtext oder Gedicht sein.

Die Teilnehmerzahlen sind in den letzten Jahren so sehr gestiegen, dass KonTEXT für die Durchführung der Leseweisungen auf Spenden angewiesen ist, denn öffentliche Förderung von den Partnern aus den Jugendämtern und der Justiz erhält das Projekt nicht.

Pro Semester nehmen im Durchschnitt etwa 200 gefährdete Jugendliche im Alter von 14 bis 21 Jahren teil. Sie werden ehrenamtlich betreut von ca. 70 Studierenden, die nur wenig älter (zwischen 18 und 23 Jahren) sind.

Das Projekt erhält Anerkennung: 2017 wurde KonTEXT mit dem Hauptpreis des HanseMerkur Kinderschutzpreises ausgezeichnet (siehe kurzen Film über das Projekt und konkret auch die Leseweisungen: https://www.youtube.com/watch?v=o7V0HagBXUo) und wird derzeit durch ein Beratungsstipendium von startsocial gefördert.

https://kontextleseprojekt.wordpress.com